Verständnis für ein "Art-eigenes Leben"! - eine Information der Tierschutzobfrau vom Land Kärnten

Bildquellenangabe: Regina Kaute_pixelio.de

Als Tierschutzombudsfrau ist es mir sehr wichtig, dass Menschen Verständnis für das Anderssein von Tieren haben.
Leider sehe ich in meiner Tätigkeit oft das Gegenteil.
Die Ursache ist fehlendes oder mangelhaftes Wissen über die Bedürfnisse der verschiedenen Tierarten.
Tiere haben, wie wir Menschen, Bedürfnisse. Diese sind jedoch sehr oft , abhängig von der jeweiligen Tierart, sehr unterschiedlich.
Nur wenn Tiere ihr arttypisches Verhalten ausüben können und ihre Anpassungsfähigkeit nicht überfordert wird,
kann man von tiergerechter Haltung sprechen. Dabei darf den Tieren keine Schmerzen, Leiden und Schäden zugefügt werden
und es soll deren Wohlbefinden ermöglicht werden.

Die wichtigste Frage bei der Haltung eines Tieres ist: Wo und wie lebt die Urform dieses Tieres? Aus dem Lebensraum und
dem Verhalten dieses Tieres lässt sich die ideale Tierhaltung unter Menschenobhut ableiten. Kennzeichnend für bestimmte
Tierarten sind ihre besonderen Sinnesleistungen, die sie in ihrem Lebensraum benötigen.
So vielfältig das Leben ist, so vielfältig sind die Ansprüche der verschiedenen Tierarten!

Welche Bedürfnisse gibt es nun?

Grundlegend sind Themen wie Sozialverhalten, Ernährungsverhalten, Fortbewegungsverhalten,
Komfortverhalten, Ruheverhalten, Erkundungsverhalten und Ausscheidungsverhalten.

Nehmen wir als Beispiel das Sozialverhalten: Die meisten als Haustiere gehaltenen Tiere benötigen
dringend Sozialkontakt zu seinesgleichen. Nur mit mindestens einem Partner der gleichen Art oder in
der Gruppe ist wesentliches Verhalten lebbar!

Nehmen wir als Beispiel das Ernährungsverhalten: Ein gesunder Hund könnte mit einer einmaligen Fütterung
pro Tag auskommen, das ist das Erbe des Wolfes. Ein Kaninchen oder ein Pferd dagegen müssen, als
reine Pflanzenfresser, praktisch ständig fressen können.

Nehmen wir als Beispiel das Fortbewegungsverhalten: Hamster sind bekannt für ihren Bewegungsdrang,
deshalb gibt es (hoffentlich geeignete) Laufräder für diese Tierarten. Reptilien können sich nur durch äußere
Wärmezufuhr bewegen und ihre Körperfunktionen aufrechthalten.

Nehmen wir als Beispiel das Komfortverhalten: Hühner benötigen Staubbäder, Schweine suhlen sich gerne
in Schlamm.

Nehmen wir als Beispiel das Ruheverhalten: Hühner schlafen des nächstens, wie ihre Vorfahren, auf Sitzstangen.
Rinder ruhen 7 -12 Stunden pro Tag wegen ihrer ganz besonderen Verdauung.

Nehmen wir als Beispiel das Erkundungs(„Neugier“)verhalten: Um Gerüche festzustellen können z.B. Reptilien
züngeln und Pferde flehmen.

Nehmen wir als Beispiel das Ausscheidungsverhalten: Schweine trennen penibel Liegeflächen von Kloflächen.
Pferde bevorzugen weiche Flächen um zu Urinieren.

Ich appelliere dringend an alle Tierhalter sich mit den Eigenschaten und Bedürfnissen der von ihnen gehaltenen Tiere vertraut zu machen. Im Idealfall VOR der Tieranschaffung – dadurch wird sehr oft klar, dass diese bestimmte Tierart nicht für einen geeignet ist und NICHT angeschafft werden soll!

Bitte informieren Sie sich ebenso über rechtliche Vorschriften bezüglich der angestrebten Tierhaltung:
Tierschutzombudsfrau Jutta Wagner, Kirchengasse 43, 9020 Klagenfurt


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